Open Innovation in der Praxis: Neues 3D-Keramikdruckverfahren kombiniert individuelle Gestaltung mit Serienproduktion

Techniken der ‘digital fabrication’ wie 3D-Druck führen zu einer ebenso radikalen wie umstrittenen Dezentralisierung im Produktdesign. Das Digitale Produktionszentrum (dpz) der Hochschule der Bildenden Künste Saar setzt sich mit aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich auseinander. Im laufenden Forschungsprojekt ‘3D-Keramikdrucker’ wird untersucht, inwieweit Techniken aus dem Kunststoffdruck auch für die Verarbeitung von Keramik nutzbar gemacht werden können. Ziel des interdisziplinären, hochschulübergreifenden Projekts ist die Entwicklung eines eigenen Keramikdruckers.

 

Erste Projektergebnisse wurden zum Rundgang der HBKsaar im Februar 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die studiengangsübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht die Umsetzung des gesamten generativen Workflows, vom Dateninput bis zur Ausgabe des Werkzeugwegs für die In House-Produktion. Entstanden ist ein innovatives Fertigungs- und Gestaltungswerkzeug, das neue gestalterische Freiheiten und Möglichkeiten der Formgebung bietet. Objekte mit Kammern, Hinterschnitten, ornamentalen Strukturen etc. sind in bekannten analogen Verfahren nicht umsetzbar. Mithilfe offener Hard- und Software werden tradiertes Handwerk (Aufbaukeramik/Wulsttechnik) und digitalisierte Fertigungsverfahren integriert und bekannte 3D-Keramikdruckverfahren weiterentwickelt. Mit der neuen Technik lässt sich die Individualität des Objektes auch in einer maschinellen Fertigung erhalten. Der integrative Ansatz erlaubt die Fertigung von Serien/Varianten von Typen, Kleinserien, sowie das Customizing in Form von User Modified Objects oder die Gestaltung von Benutzerschnittstellen wie z.B. Reactable.

 

Mit diesem Verfahren generierte Produkte weisen aufgrund ihrer besonderen Oberflächenstruktur eine neuartige Ästhetik und Haptik auf; weiter untersucht werden soll nun, inwieweit der 3D-Druck auch für die Verarbeitung von Keramik eine mögliche Zukunft bietet. Das Projekt demonstriert zudem den offenen Forschungsansatz des dpz. Open Innovation umfasst hier neben der Verwendung offener Hard- und Software auch eine prinzipielle Offenheit zwischen Studiengängen und Studioumgebungen, die gestalterische und konzeptionelle Freiräume schafft.